Erlaubst du dir inspiriert zu werden?

„Inspiration“.

Inspiriert werden.

Was soll das heißen? Es klingt so passiv – als ob einfach etwas mit mir passieren würde. Als ob Inspiration geschenkt oder gegeben wird. Von der Muse wie sie Künstler oft beschworen haben um zu erklären woher ihre Einfälle kommen?

Wenn man Inspiration im Wörterbuch nachschlägt, erfährt man, dass „Inspiration“ aus dem Lateinischen kommt und „Beseelung“ oder auch „Einhauchen“ bedeutet. Das löst in mir das Bild aus, ein Reiz, ein Impuls oder ähnliches würde in mir ein Gefäß finden. Erlebt habe ich das aber immer anders.

Das Streichholz-Prinzip

Jedes Mal, wenn ich etwas „inspirierend“ finde, dann deshalb, weil es etwas Neues in mir entzündet hat. Und zwar nicht, weil es glatt und sauber „in mich hinein geflossen“ ist, sondern weil genau das Gegenteil der Fall ist. Es sind Gedanken, die ich noch nie gedacht habe. Bilder, die ich noch nie im Kopf hatte. Vertrautes in meiner Umgebung, das ich mit völlig anderen Augen sehe.

Wenn mich etwas inspiriert, dann ist es die Reibung, der Widerspruch und der Kontrast zum Althergebrachten, der den Funken entzündet.

Genau wie beim Streichholz entscheiden wir aber selbst, ob wir aus diesem Funken etwas machen… oder zu wenig Reibung entsteht.

Reibung zulassen

Wenn wir die Reibung zulassen, wenn wir uns wirklich auf Neues einlassen, es denken und fühlen, dann kann der „Funke überspringen“. Es ist ok, wenn sich das erstmal seltsam anfühlt. Diese Vorsicht ist berechtigt. Feuer ist potentiell gefährlich und unser Gefühl warnt uns zu Recht vor den Konsequenzen, die daraus entstehen können. Zum Beispiel könnten wir verrückte Dinge tun, die bisher so gar nicht zu uns zu passen schienen.
Aber wir müssen ja nicht gleich den Teppich anzünden. Wir könnten auch erstmal nur den Impuls genießen, etwas Neues wagen zu wollen. Häufig ging es mir dabei schon so, dass ich dachte: „Danke, die Adrenalin-Dosis reicht mir.“ An die Umsetzung war noch gar nicht zu denken. Mir macht bereits Freude zu spüren, welche Impulse bei mir hängen bleiben und mit mir in Resonanz gehen. Wie dieser erste kleine Funken in mir etwas auslöst und mir einen Hinweis auf meine eigene Vielfalt gibt.

Natürlich können wir das Streichholz auch gleich wieder auspusten. Das geht manchmal so schnell und impulsartig, dass wir es kaum bewusst wahrnehmen. Vielleicht ist es die Angst vor dem Neuen. Vielleicht der eigene Kopf, der dem Gefühl im Weg steht. Vielleicht auch der Eindruck, dass der Zeitpunkt nicht stimmt. Keine Sorge.

Ganz ohne Spuren zurück zu lassen geht die Inspiration nicht. Eine zeitlang kann man noch kleine Rauchschwaden entdecken, die nur sehr langsam vergehen. Als wollten sie uns sagen, dass Feuer nicht nur zerstört sondern auch Wärme spenden kann.

Erlauben wir uns hin und wieder einen „Streichholz-Moment“. 

 

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