Bewegst du dich ohne es zu merken?

Mit der Bewegung ist es so eine Sache. Gerade kann ich meinen Alltag nicht wie üblich gestalten, weil ich mir Sehnen in beiden Füßen entzündet habe. Meine Standbeine sind sozusagen richtig wütend und verlangen ein sehr langsames Tempo.

Interessant wie sehr mir das am Anfang auf die Nerven ging. Nicht, dass ich mich in der Zwischenzeit mit dem Zustand komplett angefreundet hätte – HA! Wenn ich durch einen Supermarkt schleiche oder auf Hunderunden gefühlt fast rückwärts gehe vor Langsamkeit, gibt es Momente da bin ich echt gefrustet.

Aber diese Momente werden seltener. Dieses langsame Tempo hat durchaus etwas für sich. Vor allem weil ich mehr nachfühle was eigentlich los ist anstatt die Situation zu zerdenken. Weißt du was ich meine? Dieser Zustand in dem man vor sich hingrübelt, „Wenns“ und „Abers“ abwägt bis einem buchstäblich der Kopf raucht.

Klar ist eigentlich nur: Diese Entzündung ist eine Belastungs- bzw. Überlastungsreaktion meines Körpers. Sie ist gleichzeitig eine kaum zu ignorierende Einladung mal nachzusehen, wie ich eigentlich die letzten Wochen und Monate gestaltet habe. Vieles habe ich auf den Weg gebracht, Neues entdeckt und viel dazu gelernt. Ich dachte, genau das macht Bewegung aus. Eine aktive Bewegung, die von mir gestaltet wird.

Bist du innerlich „aus der Puste“?

Jetzt, wo ich im wahrsten Sinne des Wortes mal die Füße stillhalten muss, kommt ein neues Gefühl auf: Ich bewege mich innerlich! Und zwar sehr viel stärker als ich das vorher habe wahrnehmen können. Durch die physische Ruhepause kann auch die Seele mal wieder zu Atem kommen. Ich war innerlich anscheinend ziemlich außer Puste, habe es aber gar nicht gemerkt.

Geht es dir möglicherweise genauso? Das ist sicherlich einer der Gründe warum das berühmt-berüchtigte Urlaubs-Krankheits-Phänomen auftritt: Kaum haben wir mal keine festen Termine und Zeitdruck, packt der Körper eine Erkältung, Magendarm oder sonstige Nettigkeiten aus. Beim genauen Nachdenken ist es auch nachvollziehbar. Wenn ich alles „Störende“ wegdrücke um im Alltag zu funktionieren (also z.B. Erschöpfung am Nachmittag mit einer fünften Tasse Kaffee kuriere), wann soll der Körper mal zu Wort kommen?

Und es bewegt sich doch!

Mir geht es ja nicht anders. Daher auch der Frust, wenn ich jetzt 20 Minuten länger zwischen den Supermarktregalen verbringe. Aber mal ehrlich: Wer sagt denn, dass ich diese 20 Minuten nicht habe? Was zum Donnerwetter noch mal hetzt mich denn so? Doch nur ich selbst! Ich kann ja Termine verlegen oder von vornherein mehr Zeit einplanen, mal eine kleine Pause machen oder Abends einfach mal nur aus dem Fenster gucken anstatt immer gleich alle Social Media-Kanäle zu bespielen.

Wer das gerade ausprobiert, stellt vielleicht ähnliche Dinge wie ich fest. Es braucht kein hektisches Gerenne um sich am Abend sagen zu könnte, man habe viel gemacht.

Wir geben uns zu wenig Anerkennung für das was wir täglich für uns und andere tun.

Es muss nicht jeden Tag eine Spitzenleistung abgeliefert werden – und das geht auch gar nicht. Denn wie das Wort schon sagt, ist es eine Spitze, ein einmaliger, besonderer Ausschlag auf einer Skala. Und dann kehrt man zur Normallinie zurück. Alles andere ist nicht zu schaffen und schlichtweg ungesund.

Das Einzige, was ich täglich tun möchte, ist, darauf zu achten, dass es mir gut geht. Dazu muss ich aber erstmal wissen was genau mir gut tut. Langsamer zu machen und auch innerlich durchzuatmen ist die einzige Möglichkeit das für dich persönlich rauszufinden.

Solltest du also gerade Frust schieben, weil es nicht so läuft wie du es dir vorstellst: Lehn dich kurz zurück. Atme durch. Lächle. Und mach dir klar, dass es auch wieder anders kommen wird.

Vorausgesetzt du erkennst, dass du dich auch im scheinbaren Stillstand noch voll in der Bewegung befindest. 

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